Mit dem Cerberus (aka Rudi) durch die Hölle und zurück ins Licht
Ich hatte immer schon Hunde, nie mit großartigen Auffälligkeiten und mir gegenüber immer lieb. Ich habe mich auch schon immer mit Hundeerziehung beschäftigt. Und als mein Ex Freund dann eines Tages ankam mit dem Wunsch ‚ich möchte einen Miniaturbullterrier, eine Bananennase, nix anderes‘.… na ja gut, das werden wir zusammen schon hinkriegen, auch wenn er bis dahin noch gar keine Hundeerfahrung hatte. Ich dachte ja, ich wüsste genug und nur mit Liebe überschütten werden wir ihn nicht, sollte also passen.
Und natürlich kam alles anders, der kleine süße Bulliwelpe mit dem offiziellen Zuchtnamen Ceberus – der Höllenhund- wie wir ihn auch noch nannten (es musste was mit C sein, da es der C-Wurf war) zog ein und auf Schlag war mein Freund gestresst. Eigentlich immer. Er wollte unbedingt alles richtig machen. Von meinen ganzen Ratschlägen, u.a. mach dich mal locker, wurde er nur noch mehr gestresst und fühlte sich unter enormen Druck. Er verstand nicht, was ich wollte und konnte auch nichts davon umsetzen. Der Cerberus wurde zum Streitthema, Agressionen gegenüber meinen Hunden und auch uns wurden immer mehr und immer heftiger, kein Trainer konnte helfen, kein Tierarzt (Neurologe, Schilddrüse, Physio). Irgendwo musste dieses Verhalten doch herkommen. So blöd haben wir uns doch nicht angestellt. Das MRT ergab erweiterte Ventrikel (umgangssprachlich: zuviel Wasser im Gehirn, führt zu Druck und Kopfschmerzen), die Schilddrüsenspezialistin sagt: Unterfunktion der Schilddrüse , Besserung mit Tabletten probiert, die ihn in Waage halten sollten… nichts. Es wurde alles nur noch schlimmer und die Bilder eines wildgewordenen Bullterriers, der mich frontal mit voller Entschlossenheit angreift, werde ich leider noch eine ganze Weile im Kopf behalten. Das macht was mit einem. Ich hatte sowas bis dahin noch nicht erlebt, die ganzen Probleme, die mir die Leute so mit ihren Hunden erzählten, waren Pille Palle für mich, Luxusprobleme im Vergleich zu unseren.
Weggeben, lange diskutiert, aber eigentlich keine Option. Letzte Chance, meine Hundetrainerin, die wir leider eigentlich zu spät kennengelernt haben. Maulkorbtraining… artete in regelrechten Mensch-Hund-Kämpfen aus… Finger im Maulkorb…Daumenkuppe ab… das wars… es musste etwas passieren, wir hatten eine Raubkatze im Wohnzimmer, wo man nur noch das Futter durchs Gitter reichen konnte, eine unerträgliche Situation. Der Maulkorb rieb und bescherte offene Wunden im Gesicht…abmachen auch keine Option, viel zu gefährlich, eine Odysee begann…niemand half uns… Tierheime voll, n agressiven Bullterrier auch noch?! Nein danke…Bullterrier in not… sorry, wir haben schon 30 …letzte Option einschläfern?! Der Hund und auch wir waren nur noch Schatten unserer selbst und mit den Wunden im Gesicht vom Maulkorb tat er uns so furchtbar leid, das war wirklich die schlimmste Zeit.
Hilfe erhielten wir in letzter Minute…meine Hundetrainerin nahm ihn trotz Zeit- und Platzmangel auf (wofür ich Ihr auf ewig dankbar sein werde!). Die Erlösung!
Und das Beste, schon nach kurzer Zeit wurde er zu dem Bullterrier, den wir uns gewünscht haben… ausgeglichen, fröhlich, freundlich.
Wie geht das? Ab da hinterfragt man richtig. Und alles. Das was ich schon geahnt und gespürt hatte, dass er sehr sensibel auf unsere innere Gefühlswelt reagiert, die Psyche des Halters, später auf die angespannte Stimmung zwischen uns, all das hat sich bestätigt. Auch die Tierkommunikatorin, die wir vorher schon kontaktiert hatten, hatte Recht. Wenn Herrchen das Leben leichter sehen und viel mehr zu sich stehen könnte, so dass er dem Hund ein guter Führer durchs Leben sein kann, dann wäre es nicht soweit gekommen. Auch wäre es bei einem von Natur aus stabilem Hund nicht soweit gekommen. Unser jedoch war äußerst instabil , vermutlich aufgrund der Defizite des Gehirns. Nicht charakterstark und ausgeglichen, wie es ein Bulli sein sollte.
Die Trainerin ging anders mit ihm um… klar und durchsetzungsstark…mein Tanzbereich, dein Tanzbereich… und dein Tanzbereich ist definitiv kleiner und hinter mir… und nichts davon passiert, was Otto Normalverbraucher denken würde… der arme Hund… der ist doch dann ganz traurig und verängstigt… im Gegenteil… so glücklich habe ich ihn nie vorher gesehen.
Das ist schön und traurig zugleich.
Pharmaindustrie …Tabletten… oft absolut unnötig und eher schädlich… es braucht in erster Linie eins: einen ausgeglichenen Halter, der bei sich ist, der dann auch mit ganzem Herzen beim Hund sein kann…ohne grauen Gedankenwirrwarr im Kopf.
Alternative Sichtweisen ab vom Mainstream, aber es ergibt einen Sinn! Wir alle sind energetisch miteinander verbunden. Daraus ergibt sich viel mehr als wir dachten… Krankheiten, Verhaltensauffälligkeiten… Viele Menschen‘ können (noch) nicht verstehen und wollen es auch nicht hören, dass ihre körperlichen Beschwerden von ihrer verletzten Seele kommen können und auch nicht, dass sie einen Anteil an ihren eigenen Krankheiten und die ihrer Tiere haben können.
Eins steht fest: der Bullterrier hat so viel verändert in meinem Leben! Irre! Auch wenn er uns in der partnerschaftlichen Beziehung getrennt hat, so hat er uns doch auf freundschaftliche Art zusammengeschweißt. Wir haben ein Stück des Weges gemeinsam bestritten, und den Weg sind auch nur wir gegangen. Kein Außenstehender kann ihn nachvollziehen. Die gängige Meinung ist: ‚ Was, ihr beschäftigt euch immer noch mit DEM Hund? Der ist doch einfach nicht ganz tacko gewesen und hat eure Beziehung auseinandergebracht‘… und zu meinem Ex: :Was‚ Du überlegst tatsächlich, Dir evt. nochmal irgendwann so einen komischen Bullterrier zu holen??‘ #Kopfschüttel
Aber die Erkenntnisse aus dem Schlamassel nimmt uns niemand und sie sind so wertvoll! So schlimm und so heftig wie seine Versuche, etwas zu ändern bei uns auch waren, wir sind ihm nicht böse. Im Gegenteil, wir haben verstanden! Der Cerberus (Rudi) hat mich sogar veranlasst, eine Ausbildung zum hundegestützten Coach (bei Nicola Hoffmann) sowie die Ausbildung zum Hundetrainer /-Verhaltenstherapeut bei der Paracelsus Schule in Chemnitz zu absolvieren. Es ist mir einfach ein Herzensanliegen, meine Erfahrungen zu teilen und anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen.
